Archiv für Mai 2011

[AUDIO] Chalid al-Chamissi

Auf Radio Dreyeckland, Freiburg am 27.05.2011:

Der ägyptische Schriftsteller Chalid al-Chamissi über Humor, Kontrarevolution und seinen Traum

Das Buch zur Revolution- so nennt man den Roman von Chalid al-Chamissi „Im Taxi. Unterwegs in Kairo«, dessen deutschsprachige Übersetzung neulich im Lenos Verlag erschien. Dialoge zwischen Taxi-Fahrern und ihren Gästen wiederspigeln die gesellschaftlichen Verhältnisse eines Landes kurz vor dem Umbruch.

Chalid al-Chamissi, geb. 1962 in Kairo, arbeitet als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor und als Journalist für ägyptische Zeitungen und hat sich als kritischer Beobachter gesellschaftlicher Verhältnisse einen Namen gemacht.Er war mit einer Lesung diese Woche in Freiburg und wir könnten ihn in Rahmen sder abschliessenden Disskussion einige fragen stellen. Sein Buch ist mit sehr viel Humor geschrieben, die Protagonisten sind sehr ironisch in Ihren Gesprächen und deshalb war auch meine Frage: Ob Humor und Witz auch eine Rolle in der ägyptischen Revolution spielten.

anhörn (10:24 min)

download

„Bürgerlicher“ Rollback in Palestina

In Ramallah und Gaza ist der „arabische Frühling“ spät gekommen – mit besonderen Forderungen: Junge Palästinenser wollen von ihren Politikern weniger Streit.

In Tunesien verlassen die ersten Mitglieder der „Übergangsregierung“ aus Enttäuschung ihre Ministerposten, in Ägypten radikalisiert sich die Bewegung dahingehend, nun auch den Kern des Staates – das Militär – zu entmachten.

In den verschiedenen Forderungskatalogen, die für den 27. Mai ausgegeben wurden, richten sich die meisten gegen die Politik des SCAF (Militärrat): Nein zu Verurteilungen von Zivilisten durch Militärtribunale, Ende der Straffreiheit für Polizisten und Soldaten, die foltern und töten, Rückzug des Militärs aus der Politik und Einsetzung einer zivilen Übergangsregierung.
aus taz.de

Während somit die allgemeinen Tendenz der Aufstände in Nordafrika und Nahost weiter anhält, ihre Regime zu stürzen, wird in Palestina die Parole „Die Menschen wollen ein Ende der Spaltung“ populär. Aus der anfänglichen Aufbruchstimmung, welches sich im Manifest „Fuck Hamas. Fuck Israel. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck UNRWA. Fuck USA!“ abzeichnete, wird nun die eben genannte staatstragende Parole. Die Revolte scheint sich hier schon im Anfangsstadium selbst zu negieren – das bürgerliche Lager ist hoch erfreut.

So in Le Monde diplomatique Nr. 9494 vom 13.5.2011: (mehr…)

Der Aufstand, eine weitere Analyse

Interview mit Hamid Dabashi aus Qantra.de

‚‘Die Idee der Demokratie wird jetzt von anderen neu definiert'‘
Nach Ansicht des amerikanisch-iranischen Intellektuellen Hamid Dabashi gehen die USA und Europa, aber auch der Iran und seine Verbündeten als Verlierer aus der geopolitischen Neuordnung hervor, die die arabischen Revolutionen ausgelöst haben. Miriam Shabafrouz sprach mit ihm in London. (mehr…)

Waffenstillstand in Yemen

ntv online:
Blutige Kämpfe im Jemen
In Sanaa ruhen die Waffen
In der syrischen Hauptstadt Sanaa beendet ein Waffenstillstand vorerst die blutigen Gefechte zwischen Regierungstruppen und Stammeskämpfern Derweil übernehmen Islamisten die Kontrolle in der Provinzhauptstadt Sindschibar – laut Opposition unter Mithilfe von Präsident Saleh. (mehr…)

Die Hizbullah und der Aufstand

Ein Artikel aus der FAZ
Libanon-Dialektik des Widerstands
Uneingeschränkte Solidarität: Hizbullah-Generalsekretär Nasrallah stellt sich hinter Syriens Präsident Assad. Den Vereinigten Staaten wirft er vor, die arabischen Aufstände für eigene Zwecke zu vereinnahmen.
Von Markus Bickel

Der Ratschlag kam von oberster Stelle. „Wir rufen alle Syrer auf, ihr Land ebenso zu bewahren wie das herrschende Regime, ein Regime des Widerstands“, rief Hassan Nasrallah seinen Anhängern zu. (mehr…)

„Die Schlaflosen vom Tahrir Platz“

unter diesem Titel veröffentlichte die jungle world eine Reportage aus Ägypten

Wie ist es, eine Revolution gemacht zu haben und dann in den Alltag zurückzukehren? Gibt es den noch? Vier Geschichten von der Revolution und dem Leben danach.

von Juliane Schumacher

Menna
Mit ihren alten Freunden hat sie sich gestritten. Denn sie sind gegen die Revolution, aber nicht aus politischen Gründen. »Seit das Militär die Ausgangssperre eingeführt hat, können sie nicht mehr die ganze Nacht ausgehen«, sagt Menna mit ernstem Gesicht. »Sie stammen alle aus unglaublich reichen Familien, sie interessieren sich nur für Partys, sonst nichts.« Menna ist 17 Jahre alt und das jüngste von fünf Geschwistern. (mehr…)

Syrien, aktuelle Situation

Focus:
Bei regierungskritischen Protesten sind am Freitag in Syrien mindestens zwölf Menschen getötet worden, so Menschenrechtler. Sicherheitskräfte sollen Demonstranten in den Städten Daraa, Latakia, Homs sowie in einem Vorort von Damaskus getötet haben. (mehr…)

Ägypten, der revolutionäre Prozess und die Konterrevolution

Am Freitag haben mehrere zehntausend Menschen auf dem Tahrirplatz am „Tag der Wut“ unter anderem gegen das Militärregime demonstriert. Im Hintergrund sind sich währenddessen Muslimbrüder und Militär bereits einig. Berichte aus der taz und dem ORF

aus der taz:
„Tag der Wut“ in Ägypten
Noch keine „zweite Revolution“
Ohne Muslimbrüder, dafür klar gegen das Militär: Die Demos an diesem Freitag markieren ein Bruch der Bewegung in Ägypten. Und die Teilnehmerzahlen sinken. (mehr…)

Frischer Wind in Palästina

Die Rebellion gegen die etablierten palästinensischen Organisationen (wir berichteten bereits über das Manifest „Fuck Hamas. Fuck Israel. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck UNRWA. Fuck USA!“) weitet sich aus…

In Ramallah und Gaza ist der „arabische Frühling“ spät gekommen – mit besonderen Forderungen: Junge Palästinenser wollen von ihren Politikern weniger Streit
Jonathan Cook in Le Monde Diplomatique

Jahrzehntelang waren die Palästinenser für die gesamte arabische Öffentlichkeit ein bewundertes Vorbild, sowohl wegen ihrer Standhaftigkeit angesichts der israelischen Okkupation als auch wegen ihrer Bereitschaft zum aktiven Widerstand, der sich bereits zweimal in einer längeren Rebellion gegen die israelische Unterdrückung geäußert hat. (mehr…)

„The Revolution Will Not Be Televised“

To all whom it may concern
Nachruf auf Gil Scott-Heron, Asphaltpoet

Der spröde Heiler

Er war ein Vorläufer des Rap und eine coole Stimme des schwarzen Zorns. Am Freitag ist der New Yorker Musiker, Dichter und Politaktivist Gil Scott-Heron gestorben.

VON JULIAN WEBER, taz

„The Revolution Will Not Be Televised“, „We Almost Lost Detroit“, „Winter in America“. In drei der bekanntesten Songs von Gil Scott-Heron war die Musik sparsamst instrumentiert, manchmal nur mit Schlagzeug, Percussion, Bass und einem Fender-Rhodes-Piano. Vorneweg lief Scott-Herons Sprechgesang: „The revolution will not be televised, will not be televised. The revolution will be no re-run brothers. The revolution will be live“. Die Revolution, nicht als Fernsehereignis in Schlaufe, sondern live. Die Schlusspointe seines Songs „The Revolution Will Not Be Televised“. Entscheidend ist das präzise Timing seiner Schmirgelpapierstimme. So präzise, dass sich Ohnmacht und Zorn direkt in Coolness übersetzen. (mehr…)