Yemen, Saudi Arabien zieht an den Fäden

Der Versuch des Saleh-Clans, sich an der Macht zu halten, wird massiv von Saudi Arabien torpediert. Nachdem die schon anvisierte Rückkehr des Nochpräsidenten nach Yemen unter Hinweis auf seinen angeblichen Gesundheitszustand abgesagt wurde, kam jetzt auch eine angekündigte Ansprache im jemenitischen TV nicht zustande. Erneut verwiesen Offizielle in Saudi Arabien auf „ärztliche Weisungen“. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Geduld des Golf Kooperationsrates mit dem Saleh Clan am Ende. Dieser hatte immer wieder den ausgehandelten Kompromiss zur geordneten Machtübergabe ad absurdum geführt.

standart.at

Präsident Saleh darf nicht im Fernsehen auftreten
Eine Interview-Ankündigung wurde aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes dementiert
Riad – Der bei einem Anschlag verletzte jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh darf einem Diplomaten zufolge wegen seines Gesundheitszustandes keine Fernsehansprache an sein Volk halten. „Die saudi-arabischen Behörden haben in Übereinstimmung mit den Ärzten jegliches Filmen und sämtliche Besuche von Präsident Saleh untersagt“, sagte ein jemenitischer Diplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Riad. Dies würde „die Atmosphäre“, die der Staatschef für seine Genesung brauche, schaden. Die staatliche Nachrichtenagentur SABA meldete in der Nacht zum Donnerstag, Saleh, der sich seit einem Anschlag Anfang Juni zur Behandlung seiner Verletzungen in einem Militärkrankenhaus in Saudi-Arabien aufhält, habe Außenminister Abu Bakr al-Kirbi in der Klinik empfangen.

Diesem erklärte er nach diesen Angaben, die Krise im Jemen müsse durch einen Dialog beendet werden, an dem auch seine eigene Partei, der Allgemeine Volkskongress, beteiligt ist. Kirbi sagte anschließend, der Präsident befinde sich bei guter Gesundheit.

Gesicht soll entstellt sein

Ursprünglich hatte Saleh bereits vor Tagen in seine Heimat zurückkehren wollen. Jetzt heißt es hinter den Kulissen, er sei zwar transportfähig, zögere aber noch mit einem öffentlichen Auftritt, da sein Gesicht durch die Verletzungen entstellt sei.

Damit wird der Ankündigung des jemenitischen Informationsministers Abdo al-Janadi widersprochen, wonach sich Saleh demnächst in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen seines Landes an sein Volk wenden wolle. Mehrere Reporter seien bereits nach Saudi-Arabien gereist, das Interview solle „nach Donnerstag“ ausgestrahlt werden, hatte Janadi am Dienstag gesagt.

Saleh war Anfang Juni inmitten der Proteste gegen seine Herrschaft nach einer Bombenexplosion an seinem Palast zur medizinischen Behandlung nach Riad geflogen. Der seit 33 Jahren herrschende Staatschef ist seither nicht mehr öffentlich aufgetreten. Sein sich weiter hinziehender Aufenthalt im Nachbarland nähren Gerüchte über das Ausmaß seiner Verletzungen. (APA)