„“Revolution und Autonomie“

Andre Find über den kurdischen Nordosten Syriens auf adopt a revolution

Mitte November kam es in der Kleinstadt Ras al Ain (kurdisch: Serê Kaniyê) zu Schießereien zwischen Kurden und Freier Syrischer Armee (FSA). Zuvor hatte Assad die Stadt bombardieren lassen, nachdem FSA-Kämpfer aus der Türkei heraus die Grenzstadt eingenommen hatten. Nach heftiger oppositions-interner Kritik an dem FSA-Vorstoß in die kurdischen Gebiete zogen sich die meisten Einheiten wieder zurück. Die radikal-islamistische Ghuraba al Sham Brigade blieb aber und kämpfte gegen eine breite Koalition kurdischer Parteien um die Vormacht.

Die syrisch-kurdische Partei der demokratischen Union (PYD), eine Schwesterpartei der PKK, hatte im Juli 2012 die Kontrolle im kurdischen Nordwesten übernommen. Zuvor hatten sich Assads Sicherheitskräfte weitgehend aus den Städten zurückgezogen. Damit hatten sie kalkuliert Platz gemacht für den ehemaligen Staatsfeind PYD, der fortan versuchte, die kurdischen Gebiete selbst zu verwalten und die Lage ruhig zu halten. Viele arabische Oppositionelle glauben deshalb an einen Pakt zwischen Regime und kurdischen Parteien. Die äußern sich zwar solidarisch zur Revolution, lehnen aber den bewaffneten Kampf gegen das Regime ab. Auch eine Präsenz der arabisch dominierten FSA im kurdischen Nordosten Syriens dulden sie nicht, schon weil die PYD selbst über bewaffnete kurdische Kämpfer verfügt.

Viel mehr als die etablierten Parteien, die der arabischen Opposition wegen mangelnder Unterstützung des kurdischen Aufstands von 2004 skeptisch begegnen, fühlt sich die kurdische Jugend als Teil der syrischen Revolution. Sie organisiert sich in BürgerInnenkomitees und appelliert an die Einheit arabischer und kurdischer AktivistInnen. Damit geraten die Komitees häufig in Konflikt mit der autoritären Führung der PYD, die immer wieder AktivistInnen verfolgen und festnehmen lässt, sowie Demonstrationen der Komitees auflöst.

Entsprechend waren es in erster Linie die jugendlichen AktivistInnen, nicht die Bewaffneten der PYD, die den FSA-Vorstoß nach Ras al Ain zum Anlass nahmen, die letzten verbliebenen Assad-Einheiten aus mehreren kurdischen Städten zu vertreiben. Einigkeit herrschte jedoch unter den KurdInnen, deren Minderheit etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmacht, bei dem Versuch, die radikal-islamistischen Einheiten aus Ras al Ain zu vertreiben. Denn diese wollten die Verwendung der kurdischen Fahne als oppositionelles Zeichen unterbinden. Den Konflikt mit den Islamisten schürten auch das liberale Religionsverständnis und die Position der Frau in der kurdischen Gesellschaft – die PYD etwa hat eine feste Frauenquote von 50 Prozent.