Syrien: „Zur Hinrichtung des studentischen Aktivisten Muhammad Muhammad“

Schweigemarsch für Muhammad Muhammad in Kobani

Der Beitrag wurde von adopt a revolution übernommen

Muhammad Muhammad, Student der Universität Aleppo und Aktivist der kurdischen Studentenvereinigung UKSS, wurde am 23.05.2014 aufgrund seines Versuches, eine Gruppe unverschleierter Frauen verbal gegen den Übergriff einer Gruppe global-jihadistischer ISIS-Kämpfer zu verteidigen, von letzteren hingerichtet. Wir möchten hiermit seiner Familie, seinen FreundInnen und den AktivistInnen der UKSS unser Beileid aussprechen. Gleichzeitig wollen wir aber auch unsere Bewunderung für den Mut Muhammads zum Ausdruck bringen, der extremistischen Willkür gegen seine Mitmenschen nicht tatenlos zugesehen zu haben.

Der 26-jährige Muhammad befand sich am Freitag, den 23.05.2014, auf dem Weg zur türkischen Grenze, um von dort aus weiter in die Türkei zu reisen. Muhammad erlangte erst vor vier Monaten seinen Abschluss im Fach Anglistik von der Universität Aleppo, seitdem befand er sich auf der Suche nach Arbeit. Aufgrund der auch wirtschaftlich schwierigen Lage in Syrien konnte er innerhalb des Landes keine bezahlte Arbeit finden und hoffte darauf, in der Türkei eine Möglichkeit aufzutun – auch, um zum Lebensunterhalt seiner Familie in Syrien etwas beitragen zu können.

An einem Checkpoint der global-jihadistischen Kämpfer von ISIS nahe des Dorfes Jeb zwangen die Kämpfer alle Passagiere des Busses zum Aussteigen und brachten sie an einen anderen Checkpoint nahe Al Shiyukh, einem Stadtteil Aleppos. Bereits am ersten Checkpoint hatten die ISIS-Kämpfer damit begonnen, die unverschleierten Frauen unter den Passagieren sowie deren Familien zu beleidigen. In Al Shiyukh angekommen, drohte man ihnen mit Verhaftung aufgrund ihres – nach Bestimmungen der Islamisten – unzüchtigen Verhaltens.

Muhammad schritt ein und erhob sein Wort gegen die bewaffneten Extremisten und ihre Anschuldigungen. Er versuchte, sie davon zu überzeugen, die Frauen und ihre Familien unversehrt gehen zu lassen. Einer der Kämpfer (nach Angaben der UKSS vermutlich saudi-arabischer Herkunft) stach daraufhin mehrmals mit einem Messer auf Muhammad ein. Die ISIS-Kämpfer enthaupteten ihn anschließend. Sein kopfloser Körper wurde nach Al Raii gebracht, eine von ISIS kontrollierte Stadt nahe der türkischen Grenze. Dort wurde Muhammads Leichnam von ISIS an ein Auto gebunden und mehrere Stunden lang als Abschreckung für die lokale Bevölkerung durch den Ort gezogen, bevor er schließlich auf einem Gehweg abgelegt wurde.

Als Muhammad den Extremisten von ISIS entgegentrat, tat er dies nicht mit einer Waffe, sondern mit Worten, mit denen er den von ihm vertretenen Prinzipien der Gleichberechtigung der Geschlechter, der Religionsfreiheit und der Gewaltlosigkeit Ausdruck verlieh. Durch seine Solidarität mit den durch die extremistischen religiösen Bestimmungen von ISIS besonders diskriminierten Frauen riskierte er sein Leben. Doch Muhammad hatte verstanden, dass es gerade dann, wenn Gewalt, Schrecken, Ungerechtigkeit und Willkür alltäglich werden, wichtig ist, nicht abzustumpfen, zu resignieren und nur noch wegzuschauen. Er schaute hin und schritt ein – ein außerordentliches Vorbild ziviler Courage.

Zum Gedenken an Muhammad wie aus Protest gegen ISIS fand am Sonntag, den 25.05.2014, in Kobani ein Schweigemarsch statt. Auch Adopt a Revolution verurteilt das extremistische Regime islamistischer, global-jihadistischer Gruppen wie ISIS und deren willkürliche Übergriffe auf Zivilisten scharf. Gleichzeitig gilt die Kritik auch den westlichen, rhetorisch dem Kampf gegen den islamistischen Terrorismus verpflichteten Regierungen. Denn diese hindern die ihnen bereits bekannten Extremisten aus den eigenen Ländern nicht an der Ausreise in die Anreinerstaaten Syriens – v.a. in die Türkei –, von wo aus sich jene den Weg nach Syrien bahnen. In Syrien angekommen, kann sich den Jihadisten allein die lokale Bevölkerung entgegentreten. Dies führt zu Schicksalen wie dem von Muhammad.