„US-Unternehmen evakuieren Flughafen im Irak“

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Die Dschihadisten sind weiter auf dem Vormarsch: Sie haben nun auch die Stadt Jalawla im Osten des Irak eingenommen und rücken auf Bagdad vor. Die USA haben Hunderte US-Bürger von einem Militärflughafen in Sicherheit gebracht.

US-Unternehmen reagieren auf den Vormarsch der Dschihadisten im Irak und ziehen mehrere Hundert Amerikaner aus einem irakischen Luftwaffenstützpunkt nördlich von Bagdad vorübergehend ab. Laut Angaben eines Militärvertreters wurden die Angestellten nach Bagdad gebracht. Sie hatten auf dem Flughafen Balad 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt im Auftrag der irakischen Regierung die Lieferung von US-Kampfflugzeugen vom Typ F-16 vorbereitet.

Auf dem Militärflughafen Balad waren während der US-Besatzung bis zu 36.000 US-Militärangestellte stationiert. Doch der weitläufige Komplex war im November 2011 in die Verantwortung der Iraker übergeben worden.

Die US-Regierung ist aber offensichtlich nicht an der Evakuierung beteiligt. „Es sind ihre Leute, es sind ihre Flugzeuge“, sagte der Militärvertreter. US-Außenamtssprecherin Jennifer Psaki bestätigte, dass Mitarbeiter des US-Programms für ausländische Rüstungsverkäufe aus Sicherheitsgründen vorübergehend verlegt worden seien. US-Botschaft und Konsulate arbeiteten jedoch weiter wie bisher, betonte Psaki.

Die Dschihadisten sind derweil weiter auf dem Vormarsch: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sind die Kämpfer der radikalen sunnitischen Rebellengruppe „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (Isis) am späten Donnerstagabend auch in die Stadt Jalawla im Osten des Irak eingedrungen, nachdem Sicherheitskräfte dort ihre Posten verlassen hatten.

Bei ihrer Blitzoffensive hatten die Dschihadisten zuvor die nördliche Millionenstadt Mossul und die gesamte Provinz Ninive in ihre Gewalt gebracht und anschließend auch Teile der Provinz Kirkuk und die Stadt Tikrit erobert.

Angesichts des schnellen Vormarschs der Terrortruppe traf sich US-Präsident Barack Obama mit seinem Team für nationale Sicherheit, um über die Situation zu beraten. „Es ist unsere Aufgabe sicherzustellen, dass diese Dschihadisten keinen dauerhaften Halt finden“, sagte Obama im Oval Office. Eine militärische Reaktion behält sich die US-Regierung weiter vor.

Iran schickte unterdessen Revolutionsgarden in den benachbarten Irak, um die Dschihad-Verbände der Isis zurückzudrängen, die große Teile im Norden und Westen des Landes erobert haben. Mindestens drei Bataillone der Kuds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, wurden zur Unterstützung geschickt, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf iranische Sicherheitskreise.

Trotz des Vormarschs auf die Hauptstadt sieht der Chef der Uno-Delegation im Irak Bagdad nicht unmittelbar in Gefahr. Nickolay Mladenov habe bei einer Videokonferenz mit dem Uno-Sicherheitsrat am Donnerstag erklärt, dass Bagdad gut geschützt und unter Kontrolle der Regierung sei. Das sagte der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Witali Tschurkin. Allerdings sei der Uno-Gesandte sehr besorgt darüber, wie sich die Gewalt vom Norden des Landes ausbreite.