„Ägypten und Libyen vor neuer Konfrontation“

Ägyptens Machthaber Al-Sisi droht Libyen und den 1700 Milizen mit einer „Antwort“. Grund dafür ist der Überfall auf einen Militärposten.

Martin Gehlen in Südwest Presse

Nach dem Terrorüberfall auf einen ägyptischen Wüstenposten mit 21 Toten droht jetzt zwischen Ägypten und Libyen eine militärische Auseinandersetzung. Kurz vor dem Fastenbrechen am Samstagabend hatten offenbar aus Libyen kommende schwer bewaffnete Angreifer ein Militärlager der Ägypter nahe der Oase Farafra mit Raketen und Maschinengewehren attackiert und dabei fast die gesamte Besatzung getötet. Vier Soldaten wurden nach Angaben des Armeesprechers verwundet, zwei der etwa 20 Angreifer erschossen. Präsident Abdel Fattah al-Sisi ließ erklären, „dieses abscheuliche Verbrechen werde nicht ohne Antwort bleiben“. Er hatte bereits im Frühjahr Schmugglerringe und Terrorkommandos auf libyschem Boden als die „größte Gefahr für die Sicherheit Ägyptens“ bezeichnet. Der Nato und den USA warf er damals vor, sie hätten mit ihrer Bombenkampagne 2011 gegen Muammar Gaddafi ein politisches Vakuum erzeugt, das Libyen an „Extremisten, Mörder und Totschläger“ ausgeliefert habe.

Nach Erkenntnissen der ägyptischen Armee existieren auf ostlibyschem Territorium drei Trainingscamps, in denen zwischen 2000 und 4000 Extremisten im Schießen und Bombenlegen ausgebildet werden. Die Kommandos, die sich „Freie Ägyptische Armee“ nennen und überwiegend aus Ägyptern, Libyern, Syrern und Palästinensern bestehen, versuchen mit Al-Kaida-Extremisten auf dem Sinai eine zweite Terrorfront gegen die Machthaber in Kairo aufzubauen. Ägyptens Armeeführung erwägt anscheinend einen Präventivschlag auf libyschem Territorium gegen diese Lager und ihre Insassen.

Die aus Libyen kommenden Kolonnen aus Lastwagen und Allrad-Fahrzeugen operieren in der Regel nachts. Sie transportieren Menschen und Waffen sowie Drogen und Elektronikwaren. Ägypten unterhält entlang der etwa 1300 Kilometer langen Sandgrenze zu Libyen 35 feste Armeeposten, die jeweils rund 40 Kilometer voneinander entfernt sind. In letzter Zeit wurden zusätzlich auch mobile Militärlager errichtet, jeweils ausgerüstet mit einigen Zelten und Fahrzeugen, in denen meist Wehrpflichtige aus dem Niltal ohne Wüstenerfahrung stationiert sind.