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„Islamisten erobern Militärstützpunkte in Libyen“

ORF

Radikale Islamisten haben im Osten Libyens bei Kämpfen mit Regierungseinheiten mehrere Militärstützpunkte eingenommen. Die Terrorgruppe Ansar al-Scharia habe in der Stadt Bengasi die Kontrolle über drei Armeestandorte übernommen, meldete die libysche Nachrichtenagentur al-Tadhamun gestern unter Berufung auf Militärkreise. Bei den Kämpfen zwischen Soldaten einer Eliteeinheit und den radikalen Islamisten waren zuvor mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen.

Eigenständige Milizen

Der abtrünnige libysche Generalmajor Chalifa Haftar geht seit Anfang Juni eigenmächtig gegen die Radikalislamisten vor. Die Eliteeinheiten haben sich der Offensive ohne Befehl aus Tripolis angeschlossen.

Erst in der vergangenen Woche waren Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen um den internationalen Flughafen Tripolis ausgebrochen. Dabei kamen bisher mindestens 47 Menschen ums Leben. Bei den Milizen handelt es sich um ehemalige Revolutionsbrigaden, die nach dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi 2011 ihre Waffen behalten haben.

„‚Todesschiff‘ im Mittelmeer“

Auf einem stark überfüllten Flüchtlingsboot ist es offenbar zu einer Mordorgie gekommen. Etwa 60 Personen kamen zu Tode, sie wurden erstochen oder erschlagen, manche erstickten oder ertranken.

Andres Wysling in der NZZ

Ein Holzboot, buchstäblich ein Seelenverkäufer, es droht jeden Moment unterzugehen, am Bug ist eine Planke geborsten. An Bord dicht gedrängt eine Menschenmenge, junge Männer klammern sich ausserhalb des Schiffs an der Reling fest. Mehrere Leute sind ins Wasser gefallen, sie schwimmen und zappeln im Meer. Es ist ein lautes Rufen und Schreien.

Unter Deck eingesperrt

Das Video findet sich auf der Website der italienischen Zeitung «La Repubblica»; nach deren Angaben wurde es von einem geretteten Migranten aufgenommen. Dieser filmte offenbar von einem erhöhten Standpunkt auf einem andern Schiff. Das Video zeigt einen Moment, da die Rettung der Bootsflüchtlinge schon im Gange ist. Die meisten tragen Schwimmwesten; zu vermuten ist, dass diese von den Rettungskräften verteilt wurden. Und viele konnten offenbar schon auf ein anderes Schiff umsteigen. Ursprünglich muss das Holzboot noch viel stärker überfüllt gewesen sein.

Ein dänischer Öltanker hatte das Boot am Samstag in der Strasse von Messina gesichtet und Hilfe herbeigerufen. Die Insassen wurden gerettet und nach Lampedusa gebracht. Schon am Wochenende gab die italienische Polizei bekannt, dass es auf dem Boot Leichen gab, zuerst war von knapp 19 die Rede, dann von 29. Jetzt aber nimmt die Polizei aufgrund von Befragungen der Bootsinsassen an, dass es auf dieser Überfahrt von Afrika nach Italien insgesamt etwa 60 Tote gab.

Zwischen den Insassen auf dem stark überfüllten Schiff kam es offenbar zu einem Kampf um Leben und Tod. Mit Messern und Stöcken hätten die einen die andern im Kampf um den knappen Raum attackiert und ins Meer geworfen, heisst es. Besonders dramatisch wurde es offenbar, als Leute auf dem Deck andere unter Deck einsperrten. Damit gab es im Laderaum keine Luftzufuhr mehr, die dort Eingepferchten erstickten im Abgas des Motors.

Die «Repubblica» zitiert die Aussage eines Überlebenden aus Syrien: «Jeder Zentimeter auf diesem Boot war besetzt, wir waren wie Tiere zusammengepfercht, einer über dem andern, und dann noch die vielen Kinder.» Der Mann war mit seiner Frau und dem einjährigen Kind der beiden unterwegs, dieses fiel während der Rettungsoperation ins Wasser und ertrank. Derselbe Augenzeuge erzählte von einem verzweifelten Befreiungsversuch der im Laderaum Eingeschlossenen: «Viele von denen, die sie im Laderaum fanden, lauter Schwarze, wurden erstochen, umgebracht von andern Schwarzen, die sie nicht herauslassen wollten, weil es auf Deck keinen Platz mehr hatte.» Es gelang ihnen nicht, über die Leiter und durch die Luke aufs Deck zu gelangen.

Fünf Schlepper angeklagt

Die italienischen Untersuchungsbehörden haben nun fünf Männer, die als Schlepper verdächtigt werden, wegen mehrfachen Mordes angeklagt: einen Palästinenser, einen Saudi, einen Syrer und zwei Marokkaner. Die Zahl der Überlebenden wird mit 569 angegeben. Die 29 Leichen im Laderaum des Schiffs wiesen Symptome von Ersticken auf, aber auch Verletzungen von Messern und Stöcken. Eine Person starb im Spital. Die Zahl der ins Meer geworfenen Personen wird auf 30 geschätzt. Zum Teil wurden auch viel höhere Opferzahlen genannt, 750 und mehr Personen seien anfangs an Bord gewesen, hiess es etwa.

Auch wenn die vorliegenden Berichte in manchen Einzelheiten Widersprüche aufweisen, so ergeben sie doch ein übereinstimmendes, schockierendes Gesamtbild. Das Holzboot wird jetzt in italienischen Medien als «Todesschiff» bezeichnet. Sogar von einer «Gaskammer» ist die Rede.

Syrien: „Opposition setzt Übergangsregierung ab“

Die oppositionelle Nationale Syrische Koalition (NSC) hat die ihr unterstellte syrische Interimsregierung abgesetzt. Die Kämpfe in Damaskus dauern derweil an, und die Situation der Flüchtlinge verschlimmert sich immer weiter. Allein in der Türkei haben bislang eine Million Menschen Zuflucht gesucht.

Deutschlandfunk

Die Generalversammlung der oppositionellen Nationalen Syrischen Koalition (NSC) hat dem Kabinett von Interimsregierungschef Ahmed Tome das Vertrauen entzogen. Das teilte die Koalition am Dienstag in Istanbul mit. Hintergrund sind Streitigkeiten zwischen dem von Saudi-Arabien und dem von Katar unterstützen Flügel innerhalb des Bündnisses. Die Nationale Syrische Koalition ist einer der größten Zusammenschlüsse syrischer Oppositioneller. Sie sitzt in Istanbul und wird vom Westen anerkannt. Der neue NSC-Vorsitzende Hadi al-Bahra und auch sein Vorgänger Ahmed al-Dscharba gelten als Gefolgsleute Saudi- Arabiens, während Tome dem von Katar unterstützten Flügel zugerechnet wird.

In Syrien wird weiter gekämpft

Unterdessen gehen die Kämpfe in Syrien weiter. Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London wurden bei heftigen Kämpfen im Osten der syrischen Hauptstadt Damaskus am Dienstag 18 Menschen verletzt. Das Stadtviertel Dschobar soll laut Informanten im Land besonders stark betroffen sein. Die syrische Luftwaffe griff dort offenbar Rebellenstellungen an, die Aufständischen feuerten Granaten.

Steigende Flüchtlingszahlen

Die Situation der syrischen Bevölkerung wird immer schlimmer. Bereits am Montag legte die Welthungerhilfe einen Bericht zur Lage der Flüchtlinge in Syrien vor. Demnach leben allein in der Türkei inzwischen über eine Million syrische Flüchtlinge, von denen mehr als 250.000 in Zeltlagern untergebracht sind. Es sei damit zur rechnen, dass die Zahl noch deutlich steigen wird, da kein Ende des Krieges absehbar sei, sagte der Landeskoordinator Syrien und Türkei der Deutschen Welthungerhilfe, Ton van Zutphen. Laut dem Bericht sind in Syrien selbst mehr als zehn Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Etwa 4,5 Millionen lebten aber in Gebieten, die wegen der Gefechte für Hilfsorganisationen unzugänglich seien. Die Arbeit der Helfer werde dadurch erschwert, dass sich unterschiedliche bewaffnete Gruppen bekämpften.

Malaysia Airlines fliegt über Syrien

Trotz der anhaltenden Kämpfe in Syrien hatte eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines das Krisengebiet am Sonntag überflogen. Die Route des Flugs MH4 von London nach Kuala Lumpur wurde nach dem Absturz des Flugs MH17 über der Ukraine geändert worden. Da der Luftraum über der Ukraine gesperrt war, wurde der Flug über Syrien umgeleitet, teilte die Airline am Montagabend mit. Die alternative Flugroute sei von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) genehmigt und der syrische Luftraum auch nicht gesperrt gewesen.

„Jihadisten löschen christliches Erbe aus“

An den Häusern der Christen in Mossul ist jetzt ein arabisches „N“ aufgemalt. „N“ für Nasarani, wie die Christen im Koran bezeichnet werden. 30.000 gab es noch in der Millionen-Metropole. Die Jihadisten hatten ihnen ein Ultimatum von zwei Tagen gestellt, um entweder zum Islam überzutreten, die Jizya (eine Steuer für Nicht-Muslime) zu bezahlen oder zu fliehen.

Astrid Frefel im Standard

Wer konnte, ist geflohen. Viele in Richtung der Kurdengebiete. Ihre Häuser wurden daraufhin vom IS (Islamischer Staat) konfisziert. Damit ist die christliche Minderheit in Mossul, das auch als Rom des Orients bezeichnet wird, praktisch ausgelöscht. Zum ersten Mal in der Geschichte sei Mossul frei von Christen, erklärte Bashar Kiki, ein Mitglied des Lokalrates, der ins 45 Kilometer entfernte Qushahwali umgezogen ist.

Christliches Kernland

Die Region von Mossul ist christliches Kernland. Hier haben über Jahrhunderte Christen und Muslime friedlich zusammengelebt. Viele der historisch wertvollen Kirchen wurden von Jihadisten geplündert und zerstört. Mehr als die Hälfte der einst 800.000 Christen hatte den Irak bereits nach der US-Invasion 2003 verlassen. Ihre Gotteshäuser waren regelmäßig Anschlagsziele.

Was der IS jetzt macht, ist die systematische Vertreibung und Verfolgung aller ethnischen und religiösen Gemeinschaften, die sich nicht ihrer extremistischen Ideologie unterwerfen. Der UN-Sicherheitsrat hat die Verfolgung am Montag einhellig verurteilt und sie als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet.

Von der Zerstörungswut sind nicht nur christliche Einrichtungen, sondern auch schiitische Schreine bedroht. Bilder solcher Aktionen verbreiten die Jihadisten im Internet als Teil ihrer PR-Kampagne.

Bücher und Manuskripte zerstört

In der Stadt Saadiya in der Provinz Diyala haben sie in einer Bibliothek hunderte wertvolle Bücher und Manuskripte zerstört. Aus den Buchhandlungen muss alles verschwinden, was missfällt. Bilder von Künstlern werden zerstört und Folkloredarbietungen verboten. Einwohner sprechen in Anlehnung an die afghanischen Taliban bereits von Saadiya als dem Kandahar von Diyala.

Als Reaktion auf die alarmierenden Berichte über die Zerstörung von Kulturgütern von unschätzbarem historischen Wert hat die Unesco zusammen mit internationalen Experten begonnen, einen Notfallplan zum Schutz zu erstellen.

Auch vor den Schulen macht die rigorose „Säuberungswelle“ der IS nicht halt. Die Geschlechtertrennung wurde eingeführt, und aus den Schulbüchern wurden alle Inhalte entfernt, die den religiösen Leitlinien widersprechen. Der Irak hatte im regionalen Vergleich ein qualitativ hochstehendes Bildungswesen, das allerdings seit der Invasion 2003 erheblich gelitten hat.

Schauplatz Fußballstadion

Bis in die Alltagskultur reicht der IS-Kulturkampf. Die Gotteskrieger haben sämtliche Sportveranstaltungen verboten, darunter auch Fußball. Und nun werden auch die Fußballplätze zu einem Schauplatz um die Kontrolle im Irak. Demonstrativ haben die Behörden im internationalen Stadion von Bagdad das Finaleder Fußballweltmeisterschaft auf großen Bildschirmen übertragen, und der Fußball-Verband hat angekündigt, dass er Fußballspiele im ganzen Land ansetzen werde, als Protest gegen IS-Attacken auf Zuschauer und Spieler.

„Wer sich weigert, dem bleibt nur das Schwert“

Nach einem Ultimatum der Terrorgruppe Islamischer Staat sind Tausende Christen aus der nordirakischen Stadt Mossul geflohen. Die Extremisten kennen keine Gnade mit Andersgläubigen – und töten sofort.

Alfred Hackensberger in der WELT

Die Hiobsbotschaft kam nach dem Freitagsgebet aus den Lautsprechern der Moscheen und löste Panik unter den Christen im irakischen Mossul aus. „Wir bieten euch drei Möglichkeiten“, hieß es im Ultimatum der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), die die irakische Grenzstadt zu Syrien am 10. Juni erobert hatte. „Entweder nehmt ihr den Islam an oder bezahlt Schutzzölle. Wer sich weigert, dem bleibt nur der Tod durch das Schwert.“ In Taxis und Privatautos versuchten daraufhin die noch rund 200 in der Stadt verbliebenen Christen, in die benachbarten Kurdengebiete zu flüchten. In der autonomen Region Kurdistans stehen sie unter dem Schutz der kurdischen Peschmerga-Truppen.

Auf ihrer abrupten Flucht konnte die christliche Bevölkerung außer den Kleidern am Leib nichts mitnehmen. „An den Checkpoints wurde wir komplett durchsucht“, erzählte ein Familienvater der „Welt“, der aus Sicherheitsgründen seinen Namen nicht nennen wollte. „Die Islamisten haben uns das Geld abgenommen und sogar den Schmuck der Frauen konfisziert.“

In Mossul wurden die Häuser der christlichen Einwohner mit einem N für Nassarah markiert. Dies ist der im Koran verwendete Begriff für Christen. „Es ist eine Desaster und kommt einer ethnischen Säuberung gleich“, sagte der christliche Parlamentsabgeordnete Jonadam Kanna in Bagdad. Das sei vorauszusehen gewesen, fügt der Politiker an. „Ende Juni hatten schon Tausende von Bewohnern der christlichen Stadt Karakusch vor den Terroristen fliehen müssen.“ Karakush liegt 30 Kilometer nördlich von Mossul und war bei Kämpfen zwischen Peschmerga und IS ins Kreuzfeuer gekommen.

Islamisten machen Jagd auf Andersgläubige

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnte, der Islamische Staat scheine entschlossen, „alle Spuren von Minderheitsgruppen in den Gebieten im Irak zu tilgen“. Andere Minderheiten wie die Jesiden, Turkomanen und die schiitische Schabak-Gemeinde hätten sogar noch mehr gelitten. Die islamistischen Extremisten machen mit diesen Minderheiten gewöhnlich kurzen Prozess. Sie werden erschossen oder man schneidet ihnen den Kopf ab.

„Christliche Familien sind auf dem Weg nach Dohuk und Erbil“, sagte der christliche Patriarch Louis Sako. „Erstmals in der Geschichte des Irak gibt es keine Christen mehr in Mossul.“ Der überwiegende Teil der 5000 Christen der Stadt war bereits vor der Einnahme durch IS im Juni geflüchtet. Über viele Jahrhunderte war Mossul eines der Zentren der christlichen Gemeinde des Iraks gewesen. Bis zur US-Invasion 2003, die Diktator Saddam Hussein und sein Regime zu Fall brachte, lebten mehr als 200.000 Christen in Mossul. Im gesamten Irak waren es über 1,5 Millionen. Heute sollen es nach Schätzungen nicht einmal mehr als 200.000 sein, von denen der überwiegende Teil in der Hauptstadt Bagdad wohnt.

„Man kann heute keine verlässlichen Zahlen nennen“, sagt Vater Mansur, der der griechisch-katholischen Gemeinde in Bagdad vorsteht. „Jeden Tag wandern Familien aus, die keine Zukunft mehr im Irak sehen.“ Angesichts der Sicherheitslage und der Bedrohung durch den IS könne man es ihnen nicht verdenken, erklärt der aus Belgien stammende Geistliche. Vor dem Vormarsch der islamistischen Extremisten hatte es immer wieder gezielte Angriffe auf christliche Einrichtungen gegeben. Das letzte große Attentat fand an Weihnachten 2013 statt. Drei Autobomben waren im christlichen Viertel explodiert, davon eine unmittelbar nach dem Gottesdienst am Weihnachtsfeiertag. Dabei starben 38 Menschen, und 70 weitere wurden zum großen Teil schwer verletzt. „Es klingt bedrückend“, meint Vater Mansur, der seit über 40 Jahren im Irak ist, „aber man kann hier vom nahenden Ende des Christentums sprechen.“

Schutzgelderpressungen

Bis vor Kurzem konnten geflüchtete Christen noch nach Mossul zurückfahren. „Alles war kein Problem“, versicherte Marwen, der als Übersetzer acht Jahre lang bei der irakischen Armee gearbeitet hatte. „Ich habe mir in Mossul meine Pension abgeholt.“ An den Checkpoints hätten ihn maskierte Männer als Christen besonders willkommen geheißen und aufgefordert, doch mit seiner Familie zurückzukommen. „Bei uns sind alle Christen sicher und werden beschützt“, soll einer der Kommandanten am Kontrollpunkt gesagt haben.

Aber für den Schutz müssen Christen nun bezahlen, falls sie nicht sterben wollen. Das Konzept der Schutzbefohlenen geht auf die islamische Ära im siebten Jahrhundert zurück und wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Reformen des Osmanischen Reiches abgeschafft. Unter den Status der Schutzbefohlenen waren in der islamischen Geschichte neben Christen auch die jüdische Bevölkerung gefallen.

Das Prinzip der Schutzzölle hat IS erstmals in der syrischen Stadt Rakka eingeführt. Nach der Ausrufung des Kalifats durch Abu Bakr al-Bagdadi, dem Chef der Terrorgruppe, wird das System nun auch auf den Irak angewendet. Auch in Syrien wurden Christen willkommen geheißen, bevor man sie abkassierte. Anfängliche Freundlichkeit und soziales Engagement gehört zur Strategie von IS. Man stellt die Strom- und Wasserversorgung wieder her, garantiert eine medizinische Basisversorgung, unterstützt bedürftige Familien und organisiert Kindernachmittage. Nach zwei, drei Monaten glaubt man, genug für die Herzen der Bevölkerung getan zu haben. Dann beginnt der Terror. Andersdenkende werden verhaftet, gefoltert und ermordet sowie eine brutale Version der Scharia, dem islamischen Recht, praktiziert. Menschen werden öffentlich ausgepeitscht, gekreuzigt oder gesteinigt, wie kürzlich in Rakka geschehen.

In Bagdad fand am Sonntag aus Protest gegen die Extremisten im Irak ein konfessionsübergreifender Gottesdienst in der Kirche von St. Georg statt. „Natürlich habe ich teilgenommen, wie es auch mein sunnitischer Freund getan hat“, erzählt Mustafa. „Wir müssen uns mit den Christen solidarisch zeigen und ein Zeichen setzen, dass der Irak ein Land für alle Glaubensgemeinschaften ist.“ Denn sonst bleibe nur das Chaos eines Bürgerkriegs.

„Kämpfe um syrisches Gasfeld: 60 Soldaten getötet“

Der Standard

Die syrische Regierungsarmee hat bei ihrer Großoffensive zur Rückeroberung eines Gasfelds in der westlichen Provinz Homs Berichten zufolge heftige Verluste erlitten. Die für ihre guten Kontakte zur Staatsspitze bekannte Zeitung „Al-Watan“ berichtete am Sonntag unter Berufung auf Militärkreise, dass 60 Soldaten getötet worden seien.

Die Gefechte dauerten auch am dritten Tag der Offensive an: Die Kämpfe um das Gasfeld Shaar seien nach wie vor im Gange, sagte ein Sicherheitsvertreter. Gleiches berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Bei der Eroberung des Gasfelds sollen Jihadisten der Gruppe Islamischer Staat (IS) nach Darstellung der Beobachtungsstelle 270 Menschen getötet haben. Demnach handelt es sich bei den Opfern überwiegend um regierungstreue Milizen und zivile Sicherheitskräfte, aber auch um Mitarbeiter der Gasförderanlagen. Die Angaben der im britischen Coventry ansässigen Beobachtungsstelle stützen sich auf ein dichtes Netzwerk syrischer Informanten, sind angesichts der Sicherheitslage von unabhängiger Stelle jedoch kaum überprüfbar.

Nach Einschätzung der Aktivisten handelt es sich bei der Eroberung des Gasfelds um den „größten Anti-Regime-Einsatz“ der IS-Extremisten, seit diese im vergangenen Jahr in den syrischen Bürgerkrieg eingriffen. Die Dschihadisten hatten zuvor bereits die ölreiche Provinz Deir al-Zor zwischen Homs und der Grenze zum Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Die syrische Armee startete nach dem Verlust des Gasfelds einen Gegenangriff mit Unterstützung von Kampfflugzeugen, durch den laut der Beobachtungsstelle weite Teile des Gebiets zurückerobert werden konnten.

Die IS-Bewegung hatte nach der Eroberung großer Gebiete im Irak und in Syrien im vergangenen Monat ein „Kalifat“ ausgerufen. Zeugen und Aktivisten berichteten seither von grausamen Verbrechen, mit denen die Islamisten Angst und Schrecken verbreiten.

„Bürgerkrieg in Libyen – Dutzende bei Flughafenkampf getötet“

Die Auseinandersetzungen um den Airport von Tripolis dauern an. Seit Bewaffnete ihn vor über einer Woche angriffen, kamen mindestens 47 Menschen ums Leben.

taz

Seit dem Ausbruch von Kämpfen zwischen rivalisierenden Milizen um den Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis sind mindestens 47 Menschen ums Leben gekommen. Rund 120 Menschen seien verletzt worden, meldete die libysche Nachrichtenagentur Lana am Montag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

Erst am Sonntag waren nach Angaben libyscher Medien bei schweren Zusammenstößen fünf Menschen gestorben. Gekämpft wurde auch im Umfeld des Flughafens.

Islamistische Bewaffnete aus der Stadt Misrata hatten den Flughafen vor mehr als einer Woche angegriffen. Dieser wird von Brigaden aus der Stadt Al-Sintan kontrolliert.

Bei den Milizen handelt es sich um ehemalige Revolutionsbrigaden, die am Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi beteiligt waren. Sie weigern sich bis heute, ihre Waffen abzugeben und kämpfen für eigene Machtinteressen.

Gaddafi war 2011 durch einen Volksaufstand und Luftschläge der Nato entmachtet und schließlich getötet worden. Seither kommt das Land nicht zur Ruhe.

„Tunesien lässt Extremisten-Moscheen schließen“

Der Standard

Nach einem Angriff militanter Islamisten auf die Armee hat Tunesien die sofortige Schließung von Extremisten-Moscheen beschlossen. Betroffen davon seien unter anderem Einrichtungen, in denen der Tod von 15 Soldaten bei der Attacke am Donnerstag gefeiert worden sei, teilte die Regierung am Sonntag mit.

Geschlossen werden demnach auch Medien, die radikales religiöses Gedankengut verbreitet und zum Jihad aufgerufen haben, darunter ein Radiosender.

Militante Islamisten hatten am Donnerstag im Chambi-Gebirge im Grenzgebiet von Tunesien und Algerien zwei Militärpatrouillen angegriffen. Dabei kamen 15 tunesische Soldaten ums Leben. Zu der Attacke bekannte sich die extremistische Gruppe Ansar al-Sharia. Tunesien und Algerien planen im Grenzgebiet nach einem Bericht der algerischen Zeitung El-Khabar eine Großoffensive gegen Extremisten.

„Ägypten und Libyen vor neuer Konfrontation“

Ägyptens Machthaber Al-Sisi droht Libyen und den 1700 Milizen mit einer „Antwort“. Grund dafür ist der Überfall auf einen Militärposten.

Martin Gehlen in Südwest Presse

Nach dem Terrorüberfall auf einen ägyptischen Wüstenposten mit 21 Toten droht jetzt zwischen Ägypten und Libyen eine militärische Auseinandersetzung. Kurz vor dem Fastenbrechen am Samstagabend hatten offenbar aus Libyen kommende schwer bewaffnete Angreifer ein Militärlager der Ägypter nahe der Oase Farafra mit Raketen und Maschinengewehren attackiert und dabei fast die gesamte Besatzung getötet. Vier Soldaten wurden nach Angaben des Armeesprechers verwundet, zwei der etwa 20 Angreifer erschossen. Präsident Abdel Fattah al-Sisi ließ erklären, „dieses abscheuliche Verbrechen werde nicht ohne Antwort bleiben“. Er hatte bereits im Frühjahr Schmugglerringe und Terrorkommandos auf libyschem Boden als die „größte Gefahr für die Sicherheit Ägyptens“ bezeichnet. Der Nato und den USA warf er damals vor, sie hätten mit ihrer Bombenkampagne 2011 gegen Muammar Gaddafi ein politisches Vakuum erzeugt, das Libyen an „Extremisten, Mörder und Totschläger“ ausgeliefert habe.

Nach Erkenntnissen der ägyptischen Armee existieren auf ostlibyschem Territorium drei Trainingscamps, in denen zwischen 2000 und 4000 Extremisten im Schießen und Bombenlegen ausgebildet werden. Die Kommandos, die sich „Freie Ägyptische Armee“ nennen und überwiegend aus Ägyptern, Libyern, Syrern und Palästinensern bestehen, versuchen mit Al-Kaida-Extremisten auf dem Sinai eine zweite Terrorfront gegen die Machthaber in Kairo aufzubauen. Ägyptens Armeeführung erwägt anscheinend einen Präventivschlag auf libyschem Territorium gegen diese Lager und ihre Insassen.

Die aus Libyen kommenden Kolonnen aus Lastwagen und Allrad-Fahrzeugen operieren in der Regel nachts. Sie transportieren Menschen und Waffen sowie Drogen und Elektronikwaren. Ägypten unterhält entlang der etwa 1300 Kilometer langen Sandgrenze zu Libyen 35 feste Armeeposten, die jeweils rund 40 Kilometer voneinander entfernt sind. In letzter Zeit wurden zusätzlich auch mobile Militärlager errichtet, jeweils ausgerüstet mit einigen Zelten und Fahrzeugen, in denen meist Wehrpflichtige aus dem Niltal ohne Wüstenerfahrung stationiert sind.

Demo im Süden von Damaskus gegen IS