„Wer sich weigert, dem bleibt nur das Schwert“

Nach einem Ultimatum der Terrorgruppe Islamischer Staat sind Tausende Christen aus der nordirakischen Stadt Mossul geflohen. Die Extremisten kennen keine Gnade mit Andersgläubigen – und töten sofort.

Alfred Hackensberger in der WELT

Die Hiobsbotschaft kam nach dem Freitagsgebet aus den Lautsprechern der Moscheen und löste Panik unter den Christen im irakischen Mossul aus. „Wir bieten euch drei Möglichkeiten“, hieß es im Ultimatum der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), die die irakische Grenzstadt zu Syrien am 10. Juni erobert hatte. „Entweder nehmt ihr den Islam an oder bezahlt Schutzzölle. Wer sich weigert, dem bleibt nur der Tod durch das Schwert.“ In Taxis und Privatautos versuchten daraufhin die noch rund 200 in der Stadt verbliebenen Christen, in die benachbarten Kurdengebiete zu flüchten. In der autonomen Region Kurdistans stehen sie unter dem Schutz der kurdischen Peschmerga-Truppen.

Auf ihrer abrupten Flucht konnte die christliche Bevölkerung außer den Kleidern am Leib nichts mitnehmen. „An den Checkpoints wurde wir komplett durchsucht“, erzählte ein Familienvater der „Welt“, der aus Sicherheitsgründen seinen Namen nicht nennen wollte. „Die Islamisten haben uns das Geld abgenommen und sogar den Schmuck der Frauen konfisziert.“

In Mossul wurden die Häuser der christlichen Einwohner mit einem N für Nassarah markiert. Dies ist der im Koran verwendete Begriff für Christen. „Es ist eine Desaster und kommt einer ethnischen Säuberung gleich“, sagte der christliche Parlamentsabgeordnete Jonadam Kanna in Bagdad. Das sei vorauszusehen gewesen, fügt der Politiker an. „Ende Juni hatten schon Tausende von Bewohnern der christlichen Stadt Karakusch vor den Terroristen fliehen müssen.“ Karakush liegt 30 Kilometer nördlich von Mossul und war bei Kämpfen zwischen Peschmerga und IS ins Kreuzfeuer gekommen.

Islamisten machen Jagd auf Andersgläubige

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnte, der Islamische Staat scheine entschlossen, „alle Spuren von Minderheitsgruppen in den Gebieten im Irak zu tilgen“. Andere Minderheiten wie die Jesiden, Turkomanen und die schiitische Schabak-Gemeinde hätten sogar noch mehr gelitten. Die islamistischen Extremisten machen mit diesen Minderheiten gewöhnlich kurzen Prozess. Sie werden erschossen oder man schneidet ihnen den Kopf ab.

„Christliche Familien sind auf dem Weg nach Dohuk und Erbil“, sagte der christliche Patriarch Louis Sako. „Erstmals in der Geschichte des Irak gibt es keine Christen mehr in Mossul.“ Der überwiegende Teil der 5000 Christen der Stadt war bereits vor der Einnahme durch IS im Juni geflüchtet. Über viele Jahrhunderte war Mossul eines der Zentren der christlichen Gemeinde des Iraks gewesen. Bis zur US-Invasion 2003, die Diktator Saddam Hussein und sein Regime zu Fall brachte, lebten mehr als 200.000 Christen in Mossul. Im gesamten Irak waren es über 1,5 Millionen. Heute sollen es nach Schätzungen nicht einmal mehr als 200.000 sein, von denen der überwiegende Teil in der Hauptstadt Bagdad wohnt.

„Man kann heute keine verlässlichen Zahlen nennen“, sagt Vater Mansur, der der griechisch-katholischen Gemeinde in Bagdad vorsteht. „Jeden Tag wandern Familien aus, die keine Zukunft mehr im Irak sehen.“ Angesichts der Sicherheitslage und der Bedrohung durch den IS könne man es ihnen nicht verdenken, erklärt der aus Belgien stammende Geistliche. Vor dem Vormarsch der islamistischen Extremisten hatte es immer wieder gezielte Angriffe auf christliche Einrichtungen gegeben. Das letzte große Attentat fand an Weihnachten 2013 statt. Drei Autobomben waren im christlichen Viertel explodiert, davon eine unmittelbar nach dem Gottesdienst am Weihnachtsfeiertag. Dabei starben 38 Menschen, und 70 weitere wurden zum großen Teil schwer verletzt. „Es klingt bedrückend“, meint Vater Mansur, der seit über 40 Jahren im Irak ist, „aber man kann hier vom nahenden Ende des Christentums sprechen.“

Schutzgelderpressungen

Bis vor Kurzem konnten geflüchtete Christen noch nach Mossul zurückfahren. „Alles war kein Problem“, versicherte Marwen, der als Übersetzer acht Jahre lang bei der irakischen Armee gearbeitet hatte. „Ich habe mir in Mossul meine Pension abgeholt.“ An den Checkpoints hätten ihn maskierte Männer als Christen besonders willkommen geheißen und aufgefordert, doch mit seiner Familie zurückzukommen. „Bei uns sind alle Christen sicher und werden beschützt“, soll einer der Kommandanten am Kontrollpunkt gesagt haben.

Aber für den Schutz müssen Christen nun bezahlen, falls sie nicht sterben wollen. Das Konzept der Schutzbefohlenen geht auf die islamische Ära im siebten Jahrhundert zurück und wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Reformen des Osmanischen Reiches abgeschafft. Unter den Status der Schutzbefohlenen waren in der islamischen Geschichte neben Christen auch die jüdische Bevölkerung gefallen.

Das Prinzip der Schutzzölle hat IS erstmals in der syrischen Stadt Rakka eingeführt. Nach der Ausrufung des Kalifats durch Abu Bakr al-Bagdadi, dem Chef der Terrorgruppe, wird das System nun auch auf den Irak angewendet. Auch in Syrien wurden Christen willkommen geheißen, bevor man sie abkassierte. Anfängliche Freundlichkeit und soziales Engagement gehört zur Strategie von IS. Man stellt die Strom- und Wasserversorgung wieder her, garantiert eine medizinische Basisversorgung, unterstützt bedürftige Familien und organisiert Kindernachmittage. Nach zwei, drei Monaten glaubt man, genug für die Herzen der Bevölkerung getan zu haben. Dann beginnt der Terror. Andersdenkende werden verhaftet, gefoltert und ermordet sowie eine brutale Version der Scharia, dem islamischen Recht, praktiziert. Menschen werden öffentlich ausgepeitscht, gekreuzigt oder gesteinigt, wie kürzlich in Rakka geschehen.

In Bagdad fand am Sonntag aus Protest gegen die Extremisten im Irak ein konfessionsübergreifender Gottesdienst in der Kirche von St. Georg statt. „Natürlich habe ich teilgenommen, wie es auch mein sunnitischer Freund getan hat“, erzählt Mustafa. „Wir müssen uns mit den Christen solidarisch zeigen und ein Zeichen setzen, dass der Irak ein Land für alle Glaubensgemeinschaften ist.“ Denn sonst bleibe nur das Chaos eines Bürgerkriegs.

„Kämpfe um syrisches Gasfeld: 60 Soldaten getötet“

Der Standard

Die syrische Regierungsarmee hat bei ihrer Großoffensive zur Rückeroberung eines Gasfelds in der westlichen Provinz Homs Berichten zufolge heftige Verluste erlitten. Die für ihre guten Kontakte zur Staatsspitze bekannte Zeitung „Al-Watan“ berichtete am Sonntag unter Berufung auf Militärkreise, dass 60 Soldaten getötet worden seien.

Die Gefechte dauerten auch am dritten Tag der Offensive an: Die Kämpfe um das Gasfeld Shaar seien nach wie vor im Gange, sagte ein Sicherheitsvertreter. Gleiches berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Bei der Eroberung des Gasfelds sollen Jihadisten der Gruppe Islamischer Staat (IS) nach Darstellung der Beobachtungsstelle 270 Menschen getötet haben. Demnach handelt es sich bei den Opfern überwiegend um regierungstreue Milizen und zivile Sicherheitskräfte, aber auch um Mitarbeiter der Gasförderanlagen. Die Angaben der im britischen Coventry ansässigen Beobachtungsstelle stützen sich auf ein dichtes Netzwerk syrischer Informanten, sind angesichts der Sicherheitslage von unabhängiger Stelle jedoch kaum überprüfbar.

Nach Einschätzung der Aktivisten handelt es sich bei der Eroberung des Gasfelds um den „größten Anti-Regime-Einsatz“ der IS-Extremisten, seit diese im vergangenen Jahr in den syrischen Bürgerkrieg eingriffen. Die Dschihadisten hatten zuvor bereits die ölreiche Provinz Deir al-Zor zwischen Homs und der Grenze zum Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Die syrische Armee startete nach dem Verlust des Gasfelds einen Gegenangriff mit Unterstützung von Kampfflugzeugen, durch den laut der Beobachtungsstelle weite Teile des Gebiets zurückerobert werden konnten.

Die IS-Bewegung hatte nach der Eroberung großer Gebiete im Irak und in Syrien im vergangenen Monat ein „Kalifat“ ausgerufen. Zeugen und Aktivisten berichteten seither von grausamen Verbrechen, mit denen die Islamisten Angst und Schrecken verbreiten.

„Bürgerkrieg in Libyen – Dutzende bei Flughafenkampf getötet“

Die Auseinandersetzungen um den Airport von Tripolis dauern an. Seit Bewaffnete ihn vor über einer Woche angriffen, kamen mindestens 47 Menschen ums Leben.

taz

Seit dem Ausbruch von Kämpfen zwischen rivalisierenden Milizen um den Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis sind mindestens 47 Menschen ums Leben gekommen. Rund 120 Menschen seien verletzt worden, meldete die libysche Nachrichtenagentur Lana am Montag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

Erst am Sonntag waren nach Angaben libyscher Medien bei schweren Zusammenstößen fünf Menschen gestorben. Gekämpft wurde auch im Umfeld des Flughafens.

Islamistische Bewaffnete aus der Stadt Misrata hatten den Flughafen vor mehr als einer Woche angegriffen. Dieser wird von Brigaden aus der Stadt Al-Sintan kontrolliert.

Bei den Milizen handelt es sich um ehemalige Revolutionsbrigaden, die am Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi beteiligt waren. Sie weigern sich bis heute, ihre Waffen abzugeben und kämpfen für eigene Machtinteressen.

Gaddafi war 2011 durch einen Volksaufstand und Luftschläge der Nato entmachtet und schließlich getötet worden. Seither kommt das Land nicht zur Ruhe.

„Tunesien lässt Extremisten-Moscheen schließen“

Der Standard

Nach einem Angriff militanter Islamisten auf die Armee hat Tunesien die sofortige Schließung von Extremisten-Moscheen beschlossen. Betroffen davon seien unter anderem Einrichtungen, in denen der Tod von 15 Soldaten bei der Attacke am Donnerstag gefeiert worden sei, teilte die Regierung am Sonntag mit.

Geschlossen werden demnach auch Medien, die radikales religiöses Gedankengut verbreitet und zum Jihad aufgerufen haben, darunter ein Radiosender.

Militante Islamisten hatten am Donnerstag im Chambi-Gebirge im Grenzgebiet von Tunesien und Algerien zwei Militärpatrouillen angegriffen. Dabei kamen 15 tunesische Soldaten ums Leben. Zu der Attacke bekannte sich die extremistische Gruppe Ansar al-Sharia. Tunesien und Algerien planen im Grenzgebiet nach einem Bericht der algerischen Zeitung El-Khabar eine Großoffensive gegen Extremisten.

„Ägypten und Libyen vor neuer Konfrontation“

Ägyptens Machthaber Al-Sisi droht Libyen und den 1700 Milizen mit einer „Antwort“. Grund dafür ist der Überfall auf einen Militärposten.

Martin Gehlen in Südwest Presse

Nach dem Terrorüberfall auf einen ägyptischen Wüstenposten mit 21 Toten droht jetzt zwischen Ägypten und Libyen eine militärische Auseinandersetzung. Kurz vor dem Fastenbrechen am Samstagabend hatten offenbar aus Libyen kommende schwer bewaffnete Angreifer ein Militärlager der Ägypter nahe der Oase Farafra mit Raketen und Maschinengewehren attackiert und dabei fast die gesamte Besatzung getötet. Vier Soldaten wurden nach Angaben des Armeesprechers verwundet, zwei der etwa 20 Angreifer erschossen. Präsident Abdel Fattah al-Sisi ließ erklären, „dieses abscheuliche Verbrechen werde nicht ohne Antwort bleiben“. Er hatte bereits im Frühjahr Schmugglerringe und Terrorkommandos auf libyschem Boden als die „größte Gefahr für die Sicherheit Ägyptens“ bezeichnet. Der Nato und den USA warf er damals vor, sie hätten mit ihrer Bombenkampagne 2011 gegen Muammar Gaddafi ein politisches Vakuum erzeugt, das Libyen an „Extremisten, Mörder und Totschläger“ ausgeliefert habe.

Nach Erkenntnissen der ägyptischen Armee existieren auf ostlibyschem Territorium drei Trainingscamps, in denen zwischen 2000 und 4000 Extremisten im Schießen und Bombenlegen ausgebildet werden. Die Kommandos, die sich „Freie Ägyptische Armee“ nennen und überwiegend aus Ägyptern, Libyern, Syrern und Palästinensern bestehen, versuchen mit Al-Kaida-Extremisten auf dem Sinai eine zweite Terrorfront gegen die Machthaber in Kairo aufzubauen. Ägyptens Armeeführung erwägt anscheinend einen Präventivschlag auf libyschem Territorium gegen diese Lager und ihre Insassen.

Die aus Libyen kommenden Kolonnen aus Lastwagen und Allrad-Fahrzeugen operieren in der Regel nachts. Sie transportieren Menschen und Waffen sowie Drogen und Elektronikwaren. Ägypten unterhält entlang der etwa 1300 Kilometer langen Sandgrenze zu Libyen 35 feste Armeeposten, die jeweils rund 40 Kilometer voneinander entfernt sind. In letzter Zeit wurden zusätzlich auch mobile Militärlager errichtet, jeweils ausgerüstet mit einigen Zelten und Fahrzeugen, in denen meist Wehrpflichtige aus dem Niltal ohne Wüstenerfahrung stationiert sind.

Demo im Süden von Damaskus gegen IS

„Renzi appelliert nach Flüchtlingsdrama an EU“

Salzburger Volkszeitung

Nach dem erneuten Flüchtlingsdrama vor Lampedusa, bei dem 19 Menschen ums Leben gekommen sind, hat der italienische Premier Matteo Renzi einen weiteren Appell an die EU gerichtet. Europa müsse gemeinsame Strategien entwickeln, um die Flüchtlingsabfahrt aus Libyen zu stoppen. „Das Problem der Flüchtingsströme aus Nordafrika muss an der Wurzel gepackt werden“, erklärte Renzi am Wochenende.

Nach jüngsten Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) trafen in den vergangenen drei Tagen 5.200 Flüchtlinge ein. Mehr als Hundert Personen könnten dabei nach vorläufigen Angaben ums Leben gekommen sein. 60 Personen werden nach einem Schiffbruch vor der libyschen Küste vermisst. Die Organisation berichtete, dass weitere 240 Personen aus Eritrea gesucht werden, die laut Zeugen und Angehörigen am 27. Juni von Libyen abgefahren und nie in Italien eingetroffen sind.

Der italienische Innenminister ist auf der Suche nach Unterkünften für die Migranten, die seit Monaten ununterbrochen Sizilien erreichen. Auch Kasernen sollen jetzt genutzt werden, um den Flüchtlingen eine Unterkunft zu sichern. Unter den sizilianischen Bürgermeistern wächst jedoch der Unmut wegen des anhaltenden Flüchtlingsstroms.

Rechtsparteien setzen die Regierung Renzi unter Druck. Maurizio Gasparri, Spitzenpolitiker der oppositionellen Forza Italia, der konservativen Partei von Ex-Premier Silvio Berlusconi, bezeichnete den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom nach Italien als skandalös. „Die Regierung ist vor diesem Notstand machtlos. Das ist eine kostspielige und endlose Schande“, klagte Gasparri.

Populistische Parteien drängen auf ein Ende der seit Oktober laufenden Mission „Mare Nostrum“ zur Rettung von Flüchtlingen in Seenot. Die Rettungsaktion würde nur den Menschenhandel über das Mittelmeer fördern, argumentiert der Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, Matteo Salvini. „19 Tote auf einem Flüchtlingsboot. Das sind weitere Tote auf dem Gewissen derjenigen, die den Einsatz ‚Mare Nostrum‘ verteidigen, darunter unser Premier Renzi“, betonte Salvini.

Italienische Rettungskräfte hatten am Samstag von einem völlig überladenen Flüchtlingsschiff vor der Insel Lampedusa 18 Tote geborgen. Ein weiterer Mann ist beim Transport auf die italienischen Mittelmeerinsel gestorben. Auf dem Schiff befanden sich demnach mehr als 600 Menschen, die Opfer seien offenbar erstickt.

Die Einsatzkräfte wurden von einem Handelsschiff alarmiert, das knapp 150 Kilometer vor Lampedusa im Mittelmeer unterwegs war. Zwei Flüchtlinge seien mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus in Palermo auf Sizilien gebracht worden. Die Leichen wurden von einem Schiff auf Malta geführt.

Wegen des ruhigen Sommerwetters hat zuletzt die Zahl der Bootsflüchtlinge erheblich zugenommen. Die Flüchtlinge stammen meist aus Eritrea, Somalia und Syrien, doch auch Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan und weiteren asiatischen und afrikanischen Ländern nehmen die gefährliche Überfahrt auf sich. In den vergangenen acht Monaten erreichten nach offiziellen Angaben mehr als 73.000 Flüchtlinge Italien. Die Regierung in Rom rechnet bis Jahresende mit insgesamt 100.000 Flüchtlingen. Die italienische Marine greift nahezu täglich Hunderte von Migranten auf, die mit Schiffen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen versuchen.

„Ägypten: Bewaffnete töten mindestens 21 ägyptische Soldaten“

DLF

In Ägypten haben Bewaffnete an einem Kontrollposten mindestens 21 Soldaten getötet. Wie Sicherheitsbehörden mitteilten, ereignete sich der Überfall im Westen des Landes. Auch mehrere der Angreifer sollen getötet worden sein. Unklar blieb, wer hinter der Tat steckt. Grenztruppen durchsuchten das Gebiet, um flüchtige Angreifer zu finden. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi vor mehr als einem Jahr kommt es in Ägypten regelmäßig zu Anschlägen, häufig auf Sicherheitskräfte.

„Ägypten kauft vier Kriegsschiffe von Frankreich“

Ägyptischer Bote

Frankreich verkauft vier Fregatten an Ägypten, wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Berufung auf französische Diplomatenkreise am Samstag meldete. Dieser Vertrag im Umfang von einer Milliarde Euro wurde im Juni abgeschlossen und ist der erste diesen Ausmaßes, den beide Staaten innerhalb von 20 Jahren eingegangen sind.

Der Hersteller ist das Unternehmen DCNS, welches zum Teil in staatlichem Besitz steht. Bereits im März hatten beide Seiten einen Vorvertrag abgeschlossen.

„Dieser Krieg ist anders“

Es wächst ein neues Bündnis, das den Nahen Osten verändern wird. Israel, Saudi-Arabien und Ägypten haben jetzt drei gemeinsame Gegner: Muslimbrüder, Iran, Isis.

Michael Thumann in der ZEIT

Der Krieg zwischen Hamastan und Israel wirkt wie die Aufführung des immer gleichen Theaterstücks. Wieder wird Hamas versuchen, unter dem israelischen Bombenteppich bis zum letzten Tag Raketen auf israelische Städte zu schicken. Wieder wird Israel alles daran setzen, die Infrastruktur der Hamas möglichst nachhaltig zu zerstören. Jetzt hat die israelische Armee eine Bodenoffensive gestartet, in der viele Zivilisten in Gaza sterben dürften. Fast nichts Neues also in Nahost?

Im Gegenteil. Dieser Krieg unterscheidet sich dramatisch von denen in den Jahren 2009 und 2012. Denn diesmal reagieren Ägypten und Saudi-Arabien ganz anders. Während sich die Leitmedien der beiden arabischen Großstaaten früher wenigstens rituell über Israel empörten, ist Zorn – trotz Bodenoffensive – diesmal kaum hörbar. Das ist nicht weniger als eine tiefgreifende Wende. Zwischen Israel und diesen Ländern wächst ein informelles Bündnis, das den Nahen Osten verändern wird.

Hamas ist nicht nur Lieblingsfeind der israelischen Regierung, sondern auch Gegner der ägyptischen und saudischen Herrscher. Präsident Abdul-Fatah al-Sissi stürzte vor einem Jahr den Verbündeten von Hamas in Kairo – die Muslimbrüder. Hamas ist eine palästinensisch-nationale Fortentwicklung der ägyptischen Mutterorganisation. Die brutale Niederschlagung der Muslimbrüder in Ägypten wurde von Saudi-Arabien begrüßt und gesponsert. Die Zentralbank in Kairo füllt sich mit saudischen Petrodollars. Saudi-Arabien selbst jagt Muslimbrüder am Golf und anderswo. Der politische Islam und die Hamas haben eine formidable Allianz gegen sich: Israel, Ägypten und Saudi-Arabien.

Die halbherzige Vermittlung der Ägypter im Krieg spricht Bände. Israel stimmte dem Kairoer Plan sogleich zu, Hamas lehnte ab. Al-Sissis Vorgänger Mohammed Mursi von den Muslimbrüdern hatte 2012 in wenigen Tagen einen Waffenstillstand zuwege gebracht. Er bot Hamas die Öffnung des Grenzübergangs in Rafah an. Für al-Sissi kommt das gar nicht infrage. Er will die Hamasianer nicht in Ägypten sehen. Besser, sie wären gar nicht da – oder eben in Gaza, kleingehalten von Israel. Die Saudis nicken wohlwollend aus der Ferne.

Obwohl Riad und Jerusalem keine offiziellen Beziehungen haben, treffen sich Saudis und Israelis laufend. Ihre Annäherung kehrt die alten nahöstlichen Gewissheiten um. Im Mai besprachen sich die Ex-Geheimdienstchefs beider Länder ausgiebig in Brüssel. Turki al-Faisal steht im Mittelpunkt dieser saudischen Volte. In München lobte der Ex-Geheimdienstchef jüngst die israelische Justizministerin Tzipi Livni. Israelische und saudische Diplomaten treffen sich in Marokko und Indien, in Wien und Genf. Kein Kaffeehaus, das zu eng für sie wäre.

Was sie zusammenbringt, ist dreierlei: Erstens, Ablehnung der Muslimbrüder, zweitens, Feindschaft zum Iran, drittens, Entsetzen über Isis.

Was, wenn USA und Iran sich einigen?

Die Marginalisierung der Muslimbrüder ist schon fast abgeschlossen, die Bomben auf Hamas sind Nachhutgefechte dieses Feldzugs. Aber was Israelis und Saudis tief beunruhigt, ist der Wille der Obama-Regierung, mit den Iranern zu einem Ausgleich zu kommen. Ihre Angst: In einem Kompromiss mit den USA könnte Iran die Sanktionen abschütteln und trotzdem sein ziviles Nuklearprogramm weiterlaufen lassen.

Längst raufen sich israelische und saudische Offizielle gemeinsam die Haare über den „Schwächling“ Obama. Längst planen saudische Geheimdienstler mit Mossad-Agenten, wie sie gegen den Iran auch nach einem möglichen US-iranischen Ausgleich vorgehen können. Längst ist bekannt, dass Riad israelischen Kampfjets im Falle eines Angriffs auf iranische Anlagen die Abkürzung über Saudi-Arabien anbieten könne. Deutsche Leopard-Panzer für Saudi-Arabien werden von Israel ausdrücklich begrüßt. Das kann man sich in Berlin schwer vorstellen, ist aber in der Nahost-Logik völlig einleuchtend. Die Leos sind wichtig gegen Iran.

Die neueste Herausforderung für die informellen Bündnispartner Israel und Saudi-Arabien wächst indes in Syrien und Irak heran: die Terrorgruppe Isis. Ihr selbstgekrönter Kalif hat klargemacht, dass er das Königshaus in Riad als Feind ansieht. Und dass er Jerusalem erobern will, gehört zu einem Kalifen ja sowieso dazu. Isis-Zellen unterwandern die konservative Opposition gegen König Abdullah, sie schicken sich an, die Nachfolge von Hamas in Palästina anzutreten. Noch schweigen sich die Regierungen in Riad und Jerusalem dazu aus. Doch sie werden Isis irgendwann von zwei Seiten angreifen. Schon allein, damit Iran nicht als Retter des Nahen Ostens gegen das Isis-Kalifat erscheint.